Selbst drucken statt kaufen
Die meisten Dinge, die das Taschenproblem lösen, sind klein, simpel und aus Kunststoff. Wer einen 3D-Drucker hat, kann genau diese Sorte selbst machen, und zwar in der Form, die zu seinem Schlüssel, seinem Band und seiner Flasche passt. Es gibt aber einen Grund, warum an einem Badesee trotzdem wenig Gedrucktes liegt, und der steht weiter unten.
Was sich lohnt
- Ein Clip oder eine Öse, mit der ein einzelner Schlüssel an ein vorhandenes Band kommt. Das ist der Klassiker: Man hat das Band, man hat den Schlüssel, und dazwischen fehlt ein Teil für vierzig Cent, das es in dieser Form nicht zu kaufen gibt.
- Ein flacher Kartenhalter für eine einzelne Karte, dünner als jedes Etui.
- Eine Handtuchklammer, die auf genau deine Liege passt.
- Ersatzteile. Der abgebrochene Clip an der Tasche, der Verschluss an der Trinkflasche, die Halterung, für die es keinen Ersatz mehr gibt. Hier ist der Drucker unschlagbar, weil das Original gar nicht mehr existiert.
Der Punkt, an dem es schiefgeht: Hitze
PLA ist der falsche Kunststoff für alles, was in die Sonne kommt. Es wird bereits bei Temperaturen weich, die ein Auto im Sommer mühelos erreicht, und ein Armaturenbrett wird deutlich heißer als der Innenraum. Ein Teil, das im Auto auf dem Parkplatz liegt, während du im Wasser bist, kann verzogen sein, wenn du zurückkommst.
Wer solche Sachen druckt, nimmt PETG für alles, was Wärme abbekommt, und ASA, wenn es zusätzlich dauerhaft draußen bleibt. PLA hält obendrein UV-Licht schlecht aus und wird über die Sommer spröde. Das ist kein Detail für Bastler, sondern der Unterschied zwischen einem Teil, das den Schlüssel hält, und einem, das ihn irgendwann fallen lässt.
Was du nicht drucken solltest
- Alles, was Last trägt oder sichert. Karabiner, tragende Ösen, Teile eines Schlosses. Gedruckte Teile reißen entlang der Schichten, und sie tun das ohne Vorwarnung. Bei einem Schlüssel am Handgelenk ist das ärgerlich, an einer Tasche über dem Wasser teuer.
- Alles, was dicht sein muss. Eine gedruckte Wand ist nicht wasserdicht, dafür braucht es Nacharbeit. Für ein Gehäuse, das ein Telefon trocken halten soll, ist das der falsche Weg.
- Was es fertig für ein paar Euro gibt und besser ist. Ein Schlüsselband aus Gurtband hält mehr aus als jedes gedruckte, und ein Zahlenschloss aus Metall ist ein Zahlenschloss aus Metall.
Der NFC-Chip im gedruckten Teil
Die naheliegende Idee, wenn man einen Drucker hat: einen NFC-Aufkleber in ein Teil eindrucken und damit den Schlüssel loswerden. Technisch geht das Eindrucken problemlos. Der Schlüssel wird man damit trotzdem nicht los, und das liegt am Chip, nicht am Drucker.
Was so ein Chip kann und was nicht
Die üblichen Karten und Aufkleber tragen einen Chip aus der NTAG-Familie. Der ist ein beschreibbarer Speicher mit einer festen Kennnummer, mehr nicht. Er hat kein Verfahren, mit dem er einem Schloss beweisen könnte, dass er echt ist. Daraus folgt:
- Bezahlen: nein. Dafür braucht es einen gesicherten Chip und eine hinterlegte Karte. Ein NTAG kann das nicht, und kein Anbieter kann das nachrüsten.
- Türschloss: nur, wenn das Schloss sich mit der Kennnummer zufriedengibt. Systeme, die Kryptografie verlangen, weisen ihn ab. Ein Schloss, das ihn akzeptiert, prüft nur eine Nummer, die sich auslesen und nachbilden lässt, und ist damit ungefähr so sicher wie ein Schlüssel, den man fotografieren kann.
- Autoschlüssel: nein. Fahrzeuge mit Karte oder Handy als Schlüssel verlangen alle eine kryptografische Anmeldung.
Wer wirklich eine Tür damit öffnen will, braucht auf beiden Seiten das passende System, also ein Schloss mit eigenem Verfahren und einen Chip, der es beherrscht. Das ist eine andere Klasse als der Zehnerpack aus dem Versandhandel. Was dabei sonst noch zu bedenken ist, steht in Den Schlüssel loswerden.
Wofür er trotzdem taugt
- Als Zettel, der nicht nass wird. Ein Tag am Schlüsselband oder im gedruckten Anhänger kann eine Adresse tragen, unter der sich ein Finder meldet. Eine Internetseite, kein Klarname und keine Wohnanschrift, sonst weiß der Finder, welche Tür der Schlüssel öffnet.
- Als Schalter für das eigene Telefon. Antippen, und das Handy stellt sich auf Sauna, Fahrt oder Nachtruhe. Das ersetzt keinen Gegenstand, spart aber Handgriffe.
- Als Ersatz für einen Aushang. Ein Tag an der Ladestation, am Zaun, am Gerät, mit der Anleitung dahinter.
Wenn du ihn eindruckst
- Vertiefung modellieren, Druck an der Stelle pausieren, Tag flach einlegen, weiterdrucken. Das ist der übliche Weg, und der Chip sieht dabei nie die volle Düsentemperatur.
- Ein bis zwei Millimeter Material über der Antenne lesen sich am besten. Mehr Kunststoff kostet Reichweite, die ohnehin nur wenige Zentimeter beträgt.
- Beschreibe und teste ihn, bevor du zudruckst. Danach kommst du nicht mehr an ihn heran, wenn er defekt ist.
- Kein Metall in der Nähe. Kunststoff stört kaum, ein Metallschlüssel direkt dahinter sehr wohl.
- Wer es sich einfacher machen will, druckt nur die Vertiefung und klebt den Tag nach dem Abkühlen ein. Funktioniert genauso und ist reparierbar.
Die Regel dieser Seite gilt auch hier, mit einem Zusatz: Ein Ding lohnt sich nur, wenn es ein anderes ersetzt. Und ein gedrucktes Ding, das nach zwei Sommern spröde in der Schublade liegt, hat nichts ersetzt, sondern nur den Kauf verzögert. Drucken lohnt sich für das Teil, das es nicht gibt, nicht für das, das es gibt.
Welcher Kunststoff hält im heißen Auto?
PLA nicht: Es wird bei Temperaturen weich, die ein Auto im Sommer mühelos erreicht, und wird durch UV-Licht über die Sommer spröde. Für Teile, die Wärme abbekommen, ist PETG die bessere Wahl, für dauerhaft draußen ASA.
Was sollte man nicht selbst drucken?
Alles, was Last trägt oder sichert, also Karabiner, tragende Ösen und Schlossteile: Gedruckte Teile reißen entlang der Schichten und ohne Vorwarnung. Ebenso alles, was dicht sein muss, denn eine gedruckte Wand ist ohne Nacharbeit nicht wasserdicht.
Kann ich mit einem eingedruckten NFC-Chip die Tür öffnen oder bezahlen?
Bezahlen nicht: Dafür braucht es einen gesicherten Chip mit hinterlegter Karte. Eine Tür nur dann, wenn das Schloss sich mit der reinen Kennnummer zufriedengibt, und ein solches Schloss ist entsprechend leicht zu überlisten. Übliche NFC-Aufkleber sind beschreibbarer Speicher ohne kryptografisches Verfahren.
Wie druckt man einen NFC-Tag ein?
Eine Vertiefung modellieren, den Druck an dieser Stelle pausieren, den Tag flach einlegen und weiterdrucken. Über der Antenne sollten ein bis zwei Millimeter Material liegen, mehr kostet Reichweite. Vorher beschreiben und testen, danach kommt man nicht mehr heran.
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